Gut ausgebildet nach deutschem Vorbild

Deutschlands duales Ausbildungssystem ist so gefragt wie nie. Immer mehr Länder nehmen sich das Modell zum Vorbild.

Smolensk oder Budapest, Barcelona oder Lissabon, Puebla oder Shanghai – auf der ganzen Welt werden immer mehr junge Menschen dual ausgebildet.

Vier Freunde auf einer Bank Bild vergrößern Vier Freunde auf einer Bank (© picture-alliance/ dpa) China, Indien, Russland und viele Länder Lateinamerikas interessieren sich für das traditionsreiche deutsche Modell, und seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ist auch in der Europäischen Union der Informationsbedarf stark gestiegen.

„Früher galt die deutsche Ausbildung als exotisch“, sagt Steffen Bayer, Leiter des Referats „Berufsbildung im Ausland“ beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Das hat sich völlig gewandelt.“

Hauptgrund dafür ist die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Im EU-Durchschnitt hat etwa ein Viertel der unter 25-Jährigen keine Arbeit, in Spanien und Griechenland sogar mehr als die Hälfte. Länderübergreifend hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es in Deutschland vor allem dank der dualen Ausbildung vergleichsweise wenige junge Arbeitslose gibt. Denn hier sind die Jugendlichen von Anfang an in den Arbeitsalltag ihres Betriebs eingebunden. Bei der Festlegung von Inhalten, Qualitäts- und Prüfungsstandards arbeiten Staat und Wirtschaft eng zusammen.


Frau arbeitet in Motorfabrik Bild vergrößern Frau arbeitet in Motorfabrik (© dpa - alliance) Als erstes Land will Spanien sein Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild komplett umgestalten. Die Bildungsminister von Deutschland und Spanien haben eine stärkere Zusammenarbeit in der Berufsbildung vereinbart. Eine Vorreiterrolle spielt der Automobilhersteller Seat, der an seinen spanischen Produktionsstätten seit September 2012 dual ausbildet.

„Der technische Anspruch unserer Produkte hat sich über die Jahre stark weiterentwickelt, damit ist auch der Anspruch an die Fähigkeiten und Flexibilität unserer Mitarbeiter gestiegen“, erklärt Seat-Personalvorstand Josef Schelchshorn. „Das duale Bildungssystem nach deutschem Vorbild deckt diese Anforderungen ab.“

Bei der Konzeption ließ sich Seat von der Konzernmutter VW beraten. Die angehenden Kraftfahrzeugmechatroniker, Industrie- und Werkzeugmechaniker und Elektroniker für Automatisierungstechnik verbringen künftig etwa die Hälfte ihrer dreijährigen Ausbildung im Werk.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland erforscht und weiterentwickelt, wird den Umbau des spanischen Ausbildungssystems unterstützen. Weltweit arbeitet das BIBB mit rund 30 Partnereinrichtungen zusammen, mehr 
als die Hälfte davon in Europa. Seit ein bis zwei Jahren ist die Zusammenarbeit mit vielen Partnern intensiver geworden, neue Abkommen wurden mit Chile, Kolumbien und Mexiko geschlossen.

Studenten in einem Unterrichtsraum (c) www.colourbox.com Bild vergrößern (© www.colourbox.com) „Natürlich kann man das deutsche Ausbildungsmodell nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen“, sagt Michael Wiechert, Leiter des Arbeitsbereichs „Internationale Kooperation und Beratung“ beim BIBB. Aber das Institut könne den Partnern dabei helfen, Standards in der beruflichen Bildung zu erarbeiten und die Rolle der Unternehmen in den rechtlichen Rahmenbedingungen festzuschreiben.

„Das Wichtigste ist, die Wirtschaft mit ins Boot zu holen“, betont Wiechert.

Im Ausland werde oft darüber gestaunt, dass in Deutschland die Betriebe 
70 Prozent der Ausbildungskosten tragen. „Aber wenn man die richtigen Kompetenzen zur richtigen Zeit am richtigen Ort haben will, lohnt sich das für die Firmen.“

Es sind nicht nur staatliche Einrichtungen, die den Export des deutschen Ausbildungssystems vorantreiben. Viele deutsche Unternehmen sind auf dem Gebiet schon länger aktiv, und zwar aus ureigenem Interesse: Schließlich sind nicht nur ihre ausländischen Produktionsstätten, sondern auch deren Zulieferer und Kunden auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen.

Erste Ansprechpartner für Unternehmen sind in solchen Fragen die deutschen Auslandshandelskammern (AHK), die es in 80 Ländern gibt. Besonders viel Erfahrung mit dualer Ausbildung haben die AHKs in Shanghai, die seit über zehn Jahren Unternehmen der Region berät und betreut, und die Kammern in Lissabon und Porto.

Azubis aus Tschechien am Modell Bild vergrößern Azubis aus Tschechien (© dpa/pa) Letztere bilden schon seit fast 30 Jahren gemeinsam mit deutschen und portugiesischen Unternehmen Kraftfahrzeugmechatroniker, Industriekaufleute und Hotelfachkräfte praxisorientiert aus. Die Zentren und Ausbildungsprogramme sind unter dem Markennamen „Dual“ in ganz Portugal bekannt, 90 Prozent der Auszubildenden werden übernommen. Das Modell hat gute Chancen, landesweit Bedeutung zu erlangen: Mittelfristig will nämlich auch die portugiesische Regierung ein duales Ausbildungssystem einführen.

Um den Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs im Ausland zu decken, hat sich der Siemens-Konzern besonders viel einfallen lassen. Er bildet nicht nur an zahlreichen Standorten, wie in Smolensk, dual aus: Die Siemens Technik Akademie hat außerdem auf vier Kontinenten ein mehrstufiges duales Aus- und Weiterbildungsprogramm in Mechatronik etabliert. Das „Siemens Mechatronic Systems Certification Program“ (SMSCP) für angehende technische Fachkräfte und Ingenieure wird seit 2006 angeboten, unter anderem in den USA, Südafrika, Indien, Malaysia und Großbritannien.

Die Lehrer der Partnerschulen und -hochschulen werden an der Technik Akademie ausgebildet und setzen das Programm dann in ihrem Heimatland um, das Zertifikat 
ist international anerkannt. Kernelemente des deutschen dualen Ausbildungssystems ließen sich mit dieser Methode unkompliziert in andere Länder übertragen, ohne dass man bestehende Bildungsstrukturen grundsätzlich ändern müsste, meint der Leiter der Siemens Technik Akademie, 
Stephan Szuppa: „Wir glauben, dass diese Saat aufgeht und wächst.“

© www.deutschland.de

November 2012

Duales Ausbildungssystem

Make it in germany

Berufsbildung stärken, Perspektiven schaffen

Training - Made in Germany

Das deutsche Modell der dualen Ausbildung ist im Ausland sehr beliebt. Der Film gibt einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten der Bundesregierung in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit. Neben den Gründen für das Engagement und den wesentlichen deutschen Akteuren werden auch Berufsbildungsprojekte aus verschiedenen Ländern kurz vorgestellt. Weitere Informationen zur Berufsbildung auf www.govet.international

iMOVE - Training made in Germany

Training - Made in Germany

iMOVE ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Internationalisierung beruflicher Aus- und Weiterbildung. Als Arbeitsbereich des Bundesinstituts für Berufsbildung unterstützt iMOVE deutsche Anbieter bei der Erschließung internationaler Märkte mit einem umfangreichen Serviceangebot. Als langjährig etablierte Netzwerkplattform erleichtert iMOVE die Kontaktaufnahme deutscher Bildungsexporteure mit Partnern und Kunden weltweit.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Duales Ausbildungssystem in Hongkong

Die Deutsch-Schweizerische Internationale Schule und die deutsche Auslandshandelskammer bieten in Kooperation mit ca. 30 Ausbildungsunternehmen eine duale Berufsausbildung in Hongkong an.